Testosteron Enantat
Klinischer Überblick
Überblick
Testosteron Enantat (Testosterone enanthate) ist ein synthetisches Androgen und ein Estr-gebundenes Derivat des körpereigenen Sexualhormons Testosteron. Es gehört zur Klasse der anabolen-androgenen Steroide (AAS) und wird klinisch als Depotpräparat zur Substitution bei männlichem Hypogonadismus sowie in bestimmten Fällen von verzögerter Pubertät eingesetzt. Aufgrund seiner verlängerten Wirkungsdauer nach intramuskulärer Injektion ist Testosteron Enantat ein häufig verwendetes Esterderivat in der Endokrinotherapie und in der Sportmedizin (wo es missbräuchlich als leistungssteigernde Substanz eingesetzt wird).
Wichtige Merkmale:
- Arzneiform: Ölige Lösung zur intramuskulären Depotinjektion.
- Anwendungsgebiete: Testosteronersatztherapie bei Männern mit primärem oder sekundärem Hypogonadismus, manchmal off-label zur Induktion der Pubertät bei männlichen Jugendlichen mit verzögerter Pubertät.
- Wirkung: Androgene Effekte (Virilisierung) und anabole Effekte (Proteinaufbau, Muskelmasse-Zunahme).
Chemische Eigenschaften
- Chemische Bezeichnung: Testosteron 17β-enanthate (Testosterone enanthate)
- Chemische Formel: C26H40O3
- Molare Masse: ca. 400,6 g·mol−1
- Struktur: Testosteronmolekül (3-Keto-4-ene-Steroidgerüst) verestert am 17β-Hydroxyl mit der Enanthinsäure (Heptansäure, C7).
- Physikalische Eigenschaften: lipophile ölige Flüssigkeit oder kristalliner Ester, gut löslich in etablierten Ölen (z. B. Sesam- oder Baumwollsamenöl) zur parenteralen Verabreichung.
- Stabilität: Ester sind gegenüber rascher Metabolisierung im Blut stabiler als freies Testosteron; die Hydrolyse durch Esterasen im Gewebe setzt langsam freies Testosteron frei.
Hinweis zur Tautonomie: Der Enantat-Ester beeinflusst nicht die intrinsische Affinität des Testosteron-Moleküls zum Androgenrezeptor; er moduliert primär die Pharmakokinetik (Freisetzungs- und Wirkdauer).
Wirkmechanismus
Wirkungsprinzip:
- Nach intramuskulärer Injektion bildet Testosteron Enantat ein Depot im Muskel- oder Fettgewebe. Der Ester wird durch Gewebs- und Plasmaesterasen hydrolysiert und gibt allmählich freies Testosteron frei.
- Freies Testosteron wirkt sowohl genomisch als auch nongenomisch:
- Genomisch: Testosteron diffundiert in Zielzellen und wird zum Teil intrazellulär zu Dihydrotestosteron (DHT) durch 5α-Reduktase metabolisiert. DHT und Testosteron binden an den Androgenrezeptor (AR). Der AR-Hormon-Komplex transloziert in den Zellkern, interagiert mit Androgen-Response-Elementen (ARE) in der DNA und reguliert die Transkription spezifischer Gene, die an Differenzierung, Muskelaufbau, Erythropoese, Libido und anderen androgenen Effekten beteiligt sind.
- Nongenomisch: Schnelle Effekte über Membranrezeptoren oder sekundäre Signalwege sind beschrieben, tragen jedoch weniger zur langfristigen anabolen Wirkung bei.
- Systemische Effekte: Steigerung der Proteinsynthese, Hemmung des Proteinabbaus, Erhöhung der Erythropoetinproduktion (und damit des Hämatokrits), Einfluss auf Fettverteilung, Libido, Spermatogenese (bei exogener Gabe häufig Suppression) und sekundäre Geschlechtsmerkmale.
Pharmakokinetik (Typische Eigenschaften):
- Wirkeintritt: einige Tage nach Injektion; maximale Serumspiegel innerhalb von 1–3 Tagen möglich, gefolgt von einem langsamen Abfall.
- Wirkdauer: typischerweise 2–4 Wochen pro Injektion abhängig von Dosis und individuellem Metabolismus; übliche Dosierungsintervalle bei Ersatztherapie sind alle 2–3 Wochen.
- Metabolismus: Hydrolyse des Esters → freies Testosteron → Umwandlung zu DHT, Östradiol (via Aromatase) und anderen Metaboliten; diese Metaboliten werden hepatisch weiterverarbeitet und renal ausgeschieden.
Medizinische Informationen
Indikationen:
- Substitutionstherapie bei Männern mit manifester Testosteronmangel (Hypogonadismus) entweder primär (Hodeninsuffizienz) oder sekundär (hypothalamisch-hypophysär).
- In einigen Fällen: Induktion der Pubertät bei männlichen Jugendlichen mit verzögerter Pubertät (sorgfältige Indikationsstellung).
- Gelegentlich off-label in bestimmten Cachexiezuständen oder chronischen Erkrankungen, wobei klinische Evidenz und Nutzen-Risiko-Abwägung berücksichtigt werden müssen.
Nichtindiziert bzw. kontraindiziert:
- Einsatz bei Frauen und Kindern nur selten und unter restriktiven Bedingungen; bei Frauen erfolgt häufiger die Verwendung anderer, weniger virilisierender Androgene.
- Nicht geeignet als Fruchtbarkeitsbehandlung: Exogene Testosteronzufuhr kann die gonadotrope Achse unterdrücken und die Spermatogenese beeinträchtigen.
Dosierung (Beispiele; sind orientierend und müssen medizinisch individualisiert werden):
- Erwachsene Männer (Substitution): häufig 50–200 mg intramuskulär alle 1–3 Wochen; gebräuchliche Praxis in vielen Leitlinien tendiert zu 100–200 mg alle 1–2 Wochen, um stabile Blutspiegel zu erreichen.
- Jugendliche (Pubertätsinduktion): niedrigere, aufsteigende Dosen unter Endokrinologenaufsicht.
Überwachung und Follow-up:
- Vor Beginn: Baseline-Messungen von Serum-Testosteron (morgens), LH/FSH, Prolaktin, Östradiol, Hb/Hämatokrit, Leberenzyme, Lipidprofil, PSA (bei Männern >40–50 Jahre je nach Leitlinie), kardiovaskulären Risikofaktoren und ggf. Prostatauntersuchung.
- Während Therapie: regelmäßige Serum-Testosteron-Kontrollen (wahrscheinlich 2–8 Wochen nach Dosisänderungen), Hb/Hämatokrit alle 3–6 Monate, Leberwerte und Lipide, PSA bei älteren Männern jährlich oder bedarfsorientiert.
Wechselwirkungen:
- Aromatase-Inhibitoren oder 5α-Reduktase-Inhibitoren verändern Metabolitverhältnisse.
- Medikamente, die Leberenzyme induzieren oder hemmen, können den Metabolismus von Steroiden beeinflussen.
- Gleichzeitige Gabe anderer androgen wirkender Substanzen erhöht Risiko für Nebenwirkungen.
Sicherheitsprofil
Nebenwirkungen (häufige und relevante):
- Androgenbedingte: Akne, seborrhoische Hautveränderungen, vermehrte Körperbehaarung, Haarverlust bei androgenetischer Veranlagung, Stimmveränderungen, Virilisierungssymptome bei Frauen (Stimmvertiefung, Klitorishypertrophie).
- Östrogenbedingte/metabolische: Aromatisierung zu Östradiol kann zu Gynäkomastie führen und Flüssigkeitsretention begünstigen.
- Hämatologisch: Erhöhung von Hämoglobin und Hämatokrit (Polyzythämie), mit erhöhter Thromboserisiko bei beträchtlicher Steigerung.
- Kardiovaskulär: Potenzielle Erhöhung des kardiovaskulären Risikos durch ungünstige Veränderungen des Lipidprofils (Verringerung HDL, Zunahme LDL), Blutdruckanstieg und mögliche thromboembolische Ereignisse; Evidenzlage ist heterogen, daher individuell abwägen.
- Reproduktiv: Hemmung der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse → verminderte LH/FSH → Abnahme der endogenen Testosteronproduktion und Spermatogenese; potenzielle Unfruchtbarkeit bei langfristiger exogener Gabe.
- Hepatische Effekte: Im Gegensatz zu manchen oralen 17α-alkylierten AAS ist das Risiko leberschädigender Effekte bei intramuskulären Testosteronestern deutlich geringer, dennoch sollten Leberparameter überwacht werden.
- Psychiatrisch: Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, gelegentlich aggressives Verhalten; bei Prädisposition können Manie oder depressive Episoden auftreten.
- Sonstige: Injektionsstellenreaktionen, allergische Reaktionen (selten).
Kontraindikationen:
- Prostata- oder Brustkrebs (bei Männern).
- Schwerwiegende kardiale, hepatische oder renale Erkrankungen, bei denen Androgengabe kontraindiziert ist oder ein erhöhtes Risiko darstellt.
- Unbehandelte Polyzythämie, schwere Hypertonie, unbehandelte Schlafapnoe (bei erhöhtem Risiko).
- Überempfindlichkeit gegen Testosteron oder einen der Hilfsstoffe.
Sicherheitsmaßnahmen:
- Dosisindividualisierung, regelmäßige Laborkontrollen.
- Bei erheblicher Erhöhung von Hämoglobin/Hämatokrit: Dosisreduktion, Dosisintervallverlängerung oder Aderlass in schwerwiegenden Fällen.
- Bei Gynäkomastie: Abklärung durch Endokrinologe; symptomatische Therapien möglich.
- Kinderwunsch: Männer, die Fruchtbarkeit wünschen, sollten vor Beginn einer Langzeittherapie beraten werden; alternative Therapieoptionen (gonadotropine Stimulation) in Betracht ziehen.
Missbrauch und Sport: Testosteron Enantat ist in vielen Sportverbänden verboten; nachgewiesener Gebrauch kann zu Sanktionen führen. Die Risiken des Missbrauchs (hohe Dosen, Kombination mit anderen AAS) umfassen ausgeprägte kardiovaskuläre, hepatische und psychiatrische Komplikationen.
Rechtsstatus
Der Rechtsstatus von Testosteron Enantat variiert länderabhängig, weist jedoch einige gemeinsame Merkmale auf:
- In den meisten Ländern ist Testosteron Enantat ein verschreibungspflichtiges Medikament, das nur nach ärztlicher Indikation abgegeben werden darf.
- In vielen Rechtssystemen (z. B. EU-Mitgliedstaaten, USA) fällt Testosteron unter kontrollierte Substanzen oder regulierte hormonelle Therapien. In den USA ist Testosteron als kontrollierte Substanz (Schedule III) gelistet, die nur mit ärztlichem Rezept legal erworben werden darf.
- Im Sport ist Testosteron Enantat gemäß der Liste verbotener Substanzen der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verboten. Athleten unterliegen strengen Sanktionen bei positiver Testung.
- Besitz, Erwerb und Vertrieb ohne Rezept oder für nichtmedizinische Zwecke kann in vielen Ländern straf- oder verwaltungsrechtliche Konsequenzen haben.
Tabelle: Überblick über typischen rechtlichen Status (vereinfachte Darstellung)
| Region / Kontext | Status |
|---|---|
| Klinik/Apotheke (mit Rezept) | Legal, verschreibungspflichtig |
| Ohne Rezept (Erwerb/Verkauf) | Illegal/straffähig in vielen Ländern |
| Sportlicher Wettbewerb | Verboten (WADA) |
| Kontrollstatus (Beispiel USA) | Schedule III kontrollierte Substanz |
Hinweis: Gesetzeslage und Klassifikation können sich ändern; lokale Regularien und Vorschriften sind verbindlich. Vor der Therapie sollten Ärzte und Patienten die nationale Rechtslage und Apothekenrichtlinien prüfen.
Zusammenfassung und klinische Bedeutung
Testosteron Enantat ist ein etabliertes testosteronbasiertes Depotpräparat zur Substitutionstherapie bei Männern mit Hypogonadismus. Sein Estermodifikat ermöglicht eine verlängerte Freisetzung und damit praktikable Dosierungsintervalle. Klinisch sind sein Nutzen bei Libido, psychischem Wohlbefinden, Muskelmasse und Knochenstärke relevant, sofern eine dokumentierte Indikation vorliegt. Gleichzeitig sind potenziell ernste Nebenwirkungen – insbesondere kardiovaskuläre Risiken, Polyzythämie, Fertilitätsstörungen und virilisierende Effekte – zu beachten. Eine sorgfältige Indikationsstellung, Aufklärung, Überwachung und Einhaltung rechtlicher Vorgaben sind essenziell, um Nutzen und Risiko angemessen abzuwägen.
Quellenhinweis: Diese Darstellung fasst allgemeine pharmakologische, klinische und regulatorische Aspekte zusammen. Für detaillierte Dosierungsrichtlinien, länderspezifische rechtliche Informationen und individuelle Therapiebesonderheiten sind Fachleitlinien, regulatorische Dokumente und die Konsultation von Endokrinologen/Ärzten maßgeblich.
science Chemische Eigenschaften
2D-Struktur
CAS Number
tag315-37-7
Molekularformel
scienceC26H40O3
Molare Masse
science400.6 g/mol
Halbwertszeit
science7-8 Tage
Anabol/Androgen Verhältnis
science100:100
CAS Nummer
science315-37-7
bolt Wirkmechanismus
Testosteron Enantat wirkt durch Bindung an den Androgenrezeptor und fördert die DNA-Transkription, was zu Proteinsynthese, Stickstoffretention und Erythropoese führt.
- Proteinsynthese: Erhöht die Rate der Proteinsynthese im Muskelgewebe erheblich.
- Stickstoffretention: Verbessert die Stickstoffspeicherung in den Muskeln und verhindert Muskelabbau.
Östrogenmanagement
Halten Sie einen Aromatasehemmer (AI) bereit.
medication Dosierungsprotokoll
| Erfahrungsstufe | Tagesdosis | Zyklusdauer |
|---|---|---|
| Anfänger | 250-500 mg | 10-12 Wochen |
| Fortgeschr. | 500-750 mg | 12-16 Wochen |
| Profi | 750mg+ | 12-20 Wochen |
* Verabreichung durch tiefe intramuskuläre Injektion (Gesäß oder Oberschenkel).
security Sicherheitsprofil
warning Häufige Nebenwirkungen
-
water_drop
Östrogene Effekte
Wassereinlagerungen und Gynäkomastie durch Aromatisierung.
-
dermatology
Androgene Effekte
Akne, fettige Haut und Haarausfall bei Veranlagung.
dangerous Schwere/Seltene Nebenwirkungen
-
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HPTA-Unterdrückung
Unterdrückt die natürliche Testosteronproduktion.
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Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient nur zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine medizinische Beratung dar.