Anavar — Monographie (Sachlich-technisch)
Wichtiger Hinweis: Anavar ist ein Handelsname; der pharmakologisch wirksame Stoff ist Oxandrolon (engl. oxandrolone). Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf Oxandrolon/Anavar. Angaben sind enzyklopädisch-technisch und ersetzen keine medizinische Beratung.
Chemisches Profil (Molekularstruktur, Halbwertszeit)
- Wirkstoff: Oxandrolon (häufiger Handelsname: Anavar).
- Chemische Klassifikation: Synthetisches, 17α‑alkyliertes anaboles Androgen-Derivat, strukturell abgeleitet von Dihydrotestosteron (DHT) mit einer Sauerstoff‑Substitution an Position 2 (2‑oxa), wodurch die aromatisierbare Struktur verändert ist.
- IUPAC-ähnliche Bezeichnung: 2‑oxa‑17α‑methyl‑5α‑androstan‑17β‑ol‑3‑on (geläufige systematische Bezeichnung; Nomenklaturvarianten in der Literatur möglich).
- Summenformel: C19H30O3
- Molekülmasse: ca. 306,44 g·mol−1
- CAS‑Nummer: 53‑39‑4
- Physikalisch‑chemische Eigenschaften: weiß bis off‑white kristalliner Feststoff; gering wasserlöslich; lipophil.
- Halbwertszeit (elimination): Die Plasma‑Halbwertszeit beträgt im Allgemeinen etwa 9–10 Stunden (je nach Messmethode und Population variierend). Maximale Plasmaspiegel treten typischerweise innerhalb von 1–2 Stunden nach oraler Gabe auf.
- Pharmakokinetische Hauptkennzeichen: gute orale Bioverfügbarkeit infolge 17α‑Methylierung; hohe hepatische Metabolisierung; Ausscheidung überwiegend renal als Metaboliten.
Klinische Pharmakologie (Wirkmechanismus)
- Wirkmechanismus: Oxandrolon wirkt primär als Androgenrezeptoragonist. Es bindet an intrazelluläre Androgenrezeptoren in Zielgeweben (Muskel, Knochen, Leber u. a.), moduliert Gentranskription über Androgen‑Response‑Elements und erhöht die Proteinsynthese sowie den Stickstoff‑Retention‑Status. Die anabolen Effekte überwiegen im Verhältnis zu androgenen Effekten im Vergleich zu Testosteron, was auf strukturelle Modifikationen zurückgeführt wird.
- Stoffwechselwirkung: Oxandrolon unterliegt nur geringer Aromatisierung zu Estrogenen; somit treten östrogene Nebenwirkungen (z. B. Gynäkomastie, Flüssigkeitsretention infolge Östrogenwirkung) in deutlich geringerem Ausmaß auf. Die 17α‑Alkylierung erhöht die orale Stabilität, ist jedoch mit einem erhöhten Risiko hepatotoxischer Effekte assoziiert.
- Pharmakodynamik: fördert anabole Prozesse (Muskelmasse, Proteinsynthese), unterstützt Knochenstoffwechsel (kann Knochenmasse positiv beeinflussen) und reduziert katabole Effekte (z. B. durch Glukokortikoide induzierten Muskelabbau).
- Klinisch relevante Wirkungen und Auswirkungen: Verbesserte Körpermasse und Muskelstärke in katabolen Zuständen; mögliche Effekte auf Lipidstoffwechsel (niedrigeres HDL, erhöhtes LDL), Leberfunktion, Blutdruck und psychische Symptome (Stimmungslabilität, Aggressivität).
Lagerung & Stabilität
- Arzneiformen: üblicherweise als orale Tabletten (verschiedene Wirkstärken) formuliert.
- Lagerbedingungen: In einer trockenen Umgebung, bei kontrollierter Raumtemperatur (typischerweise 15–25 °C, gemäß Angaben des Herstellers). Vor Licht schützen; Originalbehälter verschlossen aufbewahren.
- Stabilität: Tabletten sind unter normalen Lagerbedingungen über die auf der Verpackung angegebene Haltbarkeit stabil (meist 24–36 Monate je nach Hersteller). Extreme Feuchte, Hitze oder direkte Sonneneinstrahlung können die Stabilität beeinträchtigen.
- Handhabung & Entsorgung: Außer Reichweite von Kindern aufbewahren. Abgelaufene Arzneimittel gemäß lokalen Vorschriften entsorgen; nicht in Haushaltsabfluss geben.
- Spezialbedingungen: Bei klinischer Lagerung in Apotheken die üblichen Lagerungs‑ und Dokumentationspflichten einhalten; bei Überlagerung von Hitze/Feuchte auf Stabilitätsprüfungen oder Herstellerangaben verweisen.
Allgemeine Informationen (Medizinische Anwendungen)
- Indikationen (klinisch dokumentiert bzw. in verschiedenen Zulassungen): unterstützende Behandlung bei Gewichtsverlust und Katabolismus infolge schwerer Erkrankungen, ausgedehnter Traumata, chronischer Infektionen oder nach Operationen; bei Patienten mit signifikanter unerwünschter Gewichtsabnahme infolge längerfristiger Kortikosteroidtherapie; in ausgewählten Fällen zur Förderung von Wachstum bzw. des Knochenstoffwechsels bei bestimmten pädiatrischen Indikationen (z. B. Turner‑Syndrom in einigen Regimen) — Indikationsspektrum variiert je nach nationaler Zulassung.
- Gegenanzeigen: Schwangerschaft (Androgenwirkungen auf Fetus), bekannte Androgenempfindlichkeit von Brust‑ oder Prostatakarzinomen, schwere Lebererkrankungen oder bereits bestehende cholestatische Hepatopathie, bekannte Überempfindlichkeit gegen Oxandrolon oder Hilfsstoffe.
- Vorsichtsmaßnahmen und Überwachung: vor Behandlungsbeginn Leberfunktionswerte, Lipidprofil, Blutdruck und aus medizinischer Sicht relevante Parameter prüfen; während der Therapie regelmäßige Kontrolle von Leberenzymen (Transaminasen, Bilirubin), Lipiden (HDL/LDL), renalem Status, hämatologischen Parametern und klinischer Inspektion auf Zeichen virilisierender Effekte (insbesondere bei Frauen und Kindern). Bei älteren männlichen Patienten PSA‑Kontrolle in Erwägung ziehen. Bei längerer Anwendung Dosisreduktion und Überwachung empfohlen.
- Nebenwirkungen (häufig / klinisch relevant): virilisierende Erscheinungen (Hirsutismus, Akne, Stimmvertiefung, Menstruationsstörungen bei Frauen — einige Veränderungen können irreversibel sein), hepatotoxizität inklusive cholestatische Leberschädigung (insbesondere bei längerer oder hochdosierter Anwendung), negative Effekte auf Serumlipide (Verringerung HDL, Erhöhung LDL), Flüssigkeitsretention und Ödeme, Bluthochdruck, Stimmungs‑/Verhaltensänderungen, Erythrozytose. Bei Patienten mit Herz‑ oder Niereninsuffizienz Vorsicht aufgrund von Flüssigkeitsretention.
- Interaktionen: Kann Wechselwirkungen mit Arzneimitteln haben, die die Leberfunktion beeinflussen oder selbst anabole/andreogene Wirkungen besitzen; gleichzeitige Gabe anderer hepatotoxischer Substanzen erhöht Risiko der Lebertoxizität. Potenzielle Interaktion mit Antikoagulanzien (Gerinnungsparameter überwachen).
- Spezielle Populationen: Schwangerschaft kontraindiziert. Bei Kindern nur unter strenger Indikationsstellug und Überwachung, da Wachstumsachse beeinflusst werden kann. Bei Patienten mit Lebererkrankungen kontraindiziert oder nur nach sorgfältiger Risiko‑Nutzen‑Abwägung.
- Rechtsstatus/Regulatorisches: Oxandrolon ist in vielen Ländern verschreibungspflichtig und als kontrollierte Substanz geführt; Zulassungen und empfohlene Anwendung unterscheiden sich international. Medizinische Anwendung nur unter ärztlicher Aufsicht.
Quellenhinweis: Die Angaben basieren auf allgemein verfügbaren pharmakologischen, toxikologischen und regulatorischen Daten zu Oxandrolon/Anavar. Für länderspezifische Zulassungsinformationen, genaue Packungsbeilagen und verbindliche Dosierungsrichtlinien die jeweiligen Fach- und Gebrauchsinformationen des Zulassungsinhabers bzw. nationale Arzneimittelbehörden konsultieren.