Winstrol
Klinischer Überblick
Überblick
Stanozolol (Handelsname häufig „Winstrol“) ist ein synthetisches anaboles Androgenikum (AAS), das strukturell von Testosteron abgeleitet ist. Es wurde in den 1960er-Jahren entwickelt und pharmakologisch wegen seiner anabolen Effekte bei vergleichsweise geringer androgener Wirkung eingesetzt. Stanozolol wurde medizinisch zur Behandlung spezifischer Erkrankungen (z. B. hereditäres Angioödem, bestimmte Formen von Anämie und Muskelverlustszustände) verwendet, ist jedoch auch als missbräuchlich eingesetzte Substanz im Sport bekannt. Aufgrund seiner Eigenschaften ist Stanozolol bei Leistungssportverbänden und Anti-Doping-Agenturen verboten.
Wichtige Merkmale
- Wirkstoffname: Stanozolol
- Gängiger Handelsname: Winstrol (historisch/kommerziell)
- Anwendung: oral (17α-alkylierte Tabletten) und parenteral (injektionsfähige Suspension)
- Sportstatus: von WADA und den meisten Sportverbänden verboten
Chemische Eigenschaften
- Chemische Summenformel: C21H32N2O
- Molekulare Masse: ca. 328,49 g·mol−1
- Chemische Klasse: 17α‑alkylierte synthetische Steroid‑Derivat mit Pyrazol‑Ring (Stanozolol ist ein 17α‑Methyl‑5α‑androstano[3,2‑c]pyrazol‑Derivat)
- Physikalisch‑chemische Eigenschaften:
- Feststoff (Kristalle), relativ schwer wasserlöslich
- Löslich in organischen Lösungsmitteln und Ölen
- Schmelzpunkt (literaturabhängig): berichtet ≈ 200–206 °C
- Formulierungen:
- Oral: Tabletten (17α‑alkylierte Variante, die orale Bioverfügbarkeit erhöht)
- Injektabel: Aqueous suspension von stanozolol (nicht ölige Lösung wie bei klassischen Testosteronester)
Chemisch unterscheidet sich Stanozolol von Testosteron durch die Einführung eines Pyrazolrings, der an das Steroidgerüst gebunden ist, sowie durch eine 17α‑Methylierung. Diese Modifikationen erhöhen die orale Stabilität (verringern die Hepatodegradation) und verändern das Androgenprofil (verminderte Aromatisierbarkeit).
Wirkmechanismus
- Androgenrezeptor-Agonismus:
- Stanozolol bindet an den Androgenrezeptor (AR) in target tissues (Muskulatur, Knochen, Leber, etc.). Als agonist initiiert es Gentranskriptionsänderungen, die zu erhöhter Proteinsynthese führen.
- Anabole vs. androgenetische Effekte:
- Stanozolol wird häufig als ein Steroid mit relativ hoher anaboler (muskelaufbauender) und niedriger androgener Wirkung beschrieben. Die genaue anabol/androgen-Verhältnisabschätzung ist experimentell abhängig.
- Nicht aromatisierbar:
- Stanozolol aromatisiert nicht zu Östrogenen (kein direktes Estrogenkonversionsprodukt), sodass estrogenbedingte Nebenwirkungen wie Gynäkomastie in der Regel nicht auftreten.
- Weitere pharmakologische Effekte:
- Erhöhte Stickstoffretention und Proteinsynthese → gesteigerte Muskelmasse/Leistungsfähigkeit (bei ausreichender Kalorien- und Proteinzufuhr)
- Senkung des SHBG (Sex‑Hormone‑Binding‑Globulin) → erhöhter freier Testosteronanteil (je nach Kontext)
- Steigerung der Erythropoese (Anstieg der Erythrozytenproduktion)
- Geringe bis mäßige progestogene Aktivität wurde beschrieben
Pharmakokinetische Hinweise:
- Orale Bioverfügbarkeit ist durch 17α‑Methylierung erhöht.
- Metabolismus überwiegend hepatic; Metaboliten werden renal eliminiert.
- Halbwertszeit variiert je nach Formulierung: oral berichtete wirksame Halbwertszeit im Bereich einiger Stunden bis zu deutlich längeren Wirkzeiten bei Depotinjektionen.
Medizinische Informationen
Historische und gegenwärtige Indikationen:
- Ursprünglich für verschiedene Indikationen entwickelt, einschließlich:
- Behandlung hereditären Angioödems (vermindert Häufigkeit und Schwere von Schwellungsanfällen)
- Behandlung bestimmter Formen von Anämie oder Erythropoese‑Störungen (seltener Einsatz heute)
- Zur Unterstützung bei Krankheiten mit pathologischem Muskelverlust (beträchtlich reduziert durch Nebenwirkungsprofil und Alternative Therapien)
- Moderne medizinische Anwendung ist eingeschränkt; viele Indikationen wurden durch sicherere oder wirksamere Therapien ersetzt.
Dosierung (medizinisch variabel, nur indikationsbezogen; nicht als Gebrauchsanweisung zu verstehen):
- Orale medizinische Dosierungen sind wesentlich niedriger als die im Missbrauch angewandten Dosen.
- Beispielhaft: therapeutische Tagesdosen in der klinischen Literatur für bestimmte Indikationen liegen häufig im Bereich von wenigen Milligramm pro Tag (je nach Erkrankung und Patientenkollektiv).
- Bei Missbrauch/Leistungssport werden deutlich höhere und potenziell gefährliche Dosen verwendet.
Therapieüberwachung:
- Bei therapeutischem Einsatz sollten Leberfunktion (Transaminasen, alkalische Phosphatase, Bilirubin), Lipidprofil, Blutbild (Hämatokrit / Hämoglobin), Nierenfunktion und gegebenenfalls Prostata‑Parameter (bei älteren Männern) überwacht werden.
- Regelmäßige ärztliche Kontrolle ist unerlässlich.
Kontraindikationen:
- Schwangerschaft und Stillzeit (fötale Virilisierung bzw. schädliche Wirkung)
- Schwere Lebererkrankungen oder bestehende Leberfunktionsstörung
- Prostatakarzinom bzw. vorhandene schwerwiegende Androgen-abhängige Tumoren
- Unkontrollierte Herz-Kreislauf-Erkrankungen (besonders mit Lipidstoffwechselstörungen)
Wechselwirkungen:
- Kombination mit anderen Hepatotoxinen erhöht das Leberrisiko
- Wechselwirkung mit Antikoagulanzien (z. B. Einfluss auf Warfarinwirkung) möglich
- Kombination mit anderen anabolen Steroiden verstärkt androgenetische und metabolische Risiken
Sicherheitsprofil
Hauptnebenwirkungen und Risiken:
- Hepatotoxizität:
- 17α‑alkylierte Steroide wie Stanozolol sind hepatotoxisch; Berichte umfassen cholestatische Hepatitis, Gelbsucht und selten Leberversagen oder gutartige Lebertumoren (Adenome) sowie ein erhöhtes Risiko für hepatozelluläre Veränderungen.
- Kardiovaskuläre Effekte:
- Dyslipidämie: typischerweise ↓ HDL‑Cholesterin, ↑ LDL‑Cholesterin — erhöhtes atherogenes Risiko
- Blutdrucksteigerung, potentiell erhöhtes Risiko für thrombotische Ereignisse
- Reproduktive und endokrine Effekte:
- Suppression der Hypothalamus‑Hypophysen‑Gonaden‑Achse → verminderte endogene Testosteronproduktion, Spermatogenesestörungen, reversible/teilweise irreversible Infertilität bei Männern
- Virilisierung bei Frauen (Stimmvertiefung, Hirsutismus, Klitorishypertrophie, Menstruationsstörungen)
- Dermatologische und andere Effekte:
- Akne, seborrhoische Haut
- Haarausfall bei genetischer Prädisposition (androgenetische Alopezie)
- Psychiatrische Effekte:
- Stimmungsschwankungen, Aggressivität, Reizbarkeit, mögliche Affekte wie Depression nach Absetzen
- Sonstige:
- Erhöhte Erythropoese kann zu Polyzythämie und damit Thromboserisiko führen
Sicherheitsmaßnahmen und Monitoring:
- Vor Beginn: Baseline‑Laborwerte (Leberfunktion, Lipide, Blutbild, PSA bei Männern)
- Während Behandlung: regelmäßige Kontrollen (z. B. alle 1–3 Monate abhängig von Dosis und Indikation)
- Bei Nachweis signifikanter Leberwerterhöhung oder klinischer Hepatopathie: Absetzen und weitere diagnostische Abklärung
- Schwangerschaftstest und Kontrazeption bei gebärfähigen Patientinnen; absolute Kontraindikation in Schwangerschaft
Toxikologie und Langzeitfolgen:
- Chronische Anwendung erhöht kumulatives Risiko für lebertoxische, kardiovaskuläre und reproduktive Schäden.
- Missbräuchliche Verwendung (höhere Dosen, Kombinationstherapien) potenziert Nebenwirkungen deutlich.
Rechtsstatus
Allgemeines:
- Stanozolol ist in den meisten Ländern reguliert und nur auf ärztliche Verschreibung verfügbar. Es unterliegt in vielen Rechtssystemen speziellen Kontrollen, da es ein potenzielles Missbrauchspotential hat und im Leistungssport als Dopingmittel gilt.
Übersicht (nicht erschöpfend; Stand und Klassifikation können sich ändern — juristische Beratung/Offizielle Quellen vor Ort einholen):
| Land / Region | Rechtscharakteristik |
|---|---|
| Vereinigte Staaten | Stanozolol ist ein kontrolliertes Betäubungsmittel (Controlled Substance, Schedule III). Verabreichung und Besitz ohne Rezept sind strafbar. |
| Deutschland | Verschreibungspflichtig; anabole Steroide sind im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) bzw. Arzneimittelrecht reguliert (ärztliche Verordnung erforderlich). Missbrauch/Handel unterliegt straf- und ordnungsrechtlichen Regelungen. |
| Vereinigtes Königreich | Stanozolol ist verschreibungspflichtig. Handel, Einfuhr und Vertrieb ohne entsprechende Genehmigung sind illegal; Besitz zur persönlichen Verwendung kann toleriert werden, aber Versorgungsdelikte sind strafbar. |
| Kanada | Anabole Steroide sind unter dem Controlled Drugs and Substances Act gelistet (z. B. Schedule IV); Verfügbarkeit begrenzt, Besitz/Verkauf ohne Vorgaben strafbar. |
| Australien | In der Regel verschreibungspflichtig (verschiedene Schedules im Poisons Standard); Import, Verkauf und Besitz ohne gültige Verschreibung sind eingeschränkt und oft strafbar. |
| Sportrecht | Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verbietet Stanozolol strikt; positive Proben führen zu Sanktionen/Bestrafungen im Wettbewerb sowie längeren Sperren. |
Bemerkung:
- Nationale Gesetzgebungen unterscheiden sich im Detail (Einstufung, Strafmaß, Grenzwerte). Zudem besteht häufig eine Unterscheidung zwischen Besitz zur persönlichen Verwendung und Handel/Vertrieb. Für verbindliche Aussagen ist die Einsicht in die aktuelle Gesetzgebung des jeweiligen Landes notwendig.
Zusammenfassung und abschließende Hinweise
Stanozolol (Winstrol) ist ein synthetisches anaboles Androgen mit ausgeprägten anabolen Effekten, das medizinisch in engen, ausgewählten Indikationen eingesetzt wurde, heute jedoch aufgrund sichererer Alternativen und signifikanter Nebenwirkungen seltener. Seine 17α‑Methylierung ermöglicht orale Anwendung, erhöht jedoch gleichzeitig das Risiko für Hepatotoxizität. Im Sport ist Stanozolol ein verbotenes Dopingmittel; der Missbrauch ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden.
Hinweis: Dieser Text dient ausschließlich der sachlichen, wissenschaftlichen Information. Er stellt keine medizinische Empfehlung dar. Bei Fragen zur Anwendung, Therapie oder rechtlichen Situation sollten qualifizierte Ärztinnen/Ärzte, Apotheker oder juristische Fachstellen konsultiert werden.
science Chemische Eigenschaften
2D-Struktur
CAS Number
tag10418-03-8
PubChem ID
scienceMolekularformel
scienceC21H32N2O
Molare Masse
science328.5 g/mol
Halbwertszeit
science9 Stunden
Anabol/Androgen Verhältnis
science320:30
CAS Nummer
science10418-03-8
PubChem ID
science2523
bolt Wirkmechanismus
Stanozolol ist ein von DHT abgeleitetes anaboles Steroid. Es erhöht signifikant das freie Testosteron durch Senkung von SHBG und aromatisiert nicht.
- SHBG-Reduktion: Bindet an SHBG und setzt andere Hormone frei.
- Trockene Masse: Fördert Muskelaufbau ohne Wassereinlagerung.
Gelenkunterstützung
Fischöl und Glucosamin ergänzen.
medication Dosierungsprotokoll
| Erfahrungsstufe | Tagesdosis | Zyklusdauer |
|---|---|---|
| Anfänger | 30-40 mg | 6 Wochen |
| Fortgeschr. | 40-60 mg | 6-8 Wochen |
| Injektion | 50 mg | 6-8 Wochen |
* Lebertoxisch. Zyklusdauer begrenzen.
security Sicherheitsprofil
warning Häufige Nebenwirkungen
-
skeleton
Gelenkschmerzen
"Trockene" Gelenke können Schmerzen verursachen.
dangerous Schwere/Seltene Nebenwirkungen
-
medical_services
Lebertoxizität
17aa oral, belastet die Leber.
-
blood_pressure
Lipide
Erhöht LDL und senkt HDL signifikant.
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Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient nur zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine medizinische Beratung dar.