Deca-Durabolin
Klinischer Überblick
Überblick
Nandrolon (häufig in der Depotform Nandrolon-Decanoat unter Handelsnamen wie Deca-Durabolin) ist ein synthetisch hergestelltes anaboles-androgenes Steroid (AAS). Es gehört strukturell zu den 19-Nortestosteronen—es unterscheidet sich vom Testosteron durch das Fehlen des Kohlenstoffatoms an Position 19. Nandrolon zeigt ausgeprägte anabole Effekte (Proteinaufbau, Stickstoffretention, Knochenstärkung) und vergleichsweise geringere androgene Effekte im Vergleich zu Testosteron. Wegen seiner pharmakokinetischen Eigenschaften wird Nandrolon häufig als intramuskuläre Depotinjektion (Decanoat-Ester) verabreicht, was eine langsame Freisetzung und verlängerte Wirkdauer bewirkt.
- Handelsname (beispielhaft): Deca-Durabolin (Organon), Deca, Nandrolone Decanoate
- Typ: Anaboles-androgenes Steroid (19-Nortestosteron-Derivat)
- Typische Anwendung (historisch/medizinisch): Anämien, Osteoporose, Kachexie, hormonelle Substitution (teilweise)
Chemische Eigenschaften
Nandrolon ist chemisch 19-Nortestosteron (19-nortestosterone). Die häufig klinisch verwendete Form ist Nandrolon-Decanoat, ein Ester von Nandrolon mit Decansäure, der die Lipidlöslichkeit erhöht und die Freisetzungsdauer nach intramuskulärer Injektion verlängert.
- Chemischer Name (Basismolekül): 19-Nortestosteron (Nandrolone)
- Summenformel (Nandrolon): C18H26O2
- Molare Masse (Nandrolon): ca. 274,40 g·mol−1
- Nandrolon-Decanoat (Ester): Summenformel variiert durch Decanoat-Teil (C28H44O3 für das Ester-Molekül), molare Masse ≈ 428,66 g·mol−1
- Strukturmerkmale:
- Steroidgerüst mit vier Ringen (Cyclopentanoperhydrophenanthren-Grundstruktur)
- Ketogruppe an C3 und Doppelbindung C4–C5 (typisch für Steroidhormone)
- Fehlen des C19-Methyls (19-Nor), was die Bindungsaffinität und Metabolisierung beeinflusst
- Physikalische Eigenschaften (Depotester): lipophil, ölige Lösungen für intramuskuläre Gabe
Tabelle: Vergleich Nandrolon vs. Testosteron (vereinfachte Übersicht)
| Eigenschaft | Nandrolon (19-Nor) | Testosteron |
|---|---|---|
| Summenformel | C18H26O2 | C19H28O2 |
| Androgene Potenz | Niedriger (relativ) | Referenz |
| Anabole Potenz | Hoch | Hoch |
| Aromatisierbarkeit (Östrogenbildung) | Gering bis moderat | Hoch |
| Progestogene Affinität | Vorhanden | Gering |
Hinweis: Aromatisierung bezieht sich auf Umwandlung durch Aromatase zu östrogenähnlichen Metaboliten; Nandrolon aromatisiert langsamer/zu geringeren Mengen als Testosteron, bildet jedoch den Metaboliten 19-Nor-Estradiol.
Wirkmechanismus
Nandrolon wirkt primär über den Androgenrezeptor (AR) und beeinflusst Genexpression sowie nicht-genomische Signalwege:
-
Androgenrezeptor-Agonismus:
- Nandrolon und seine Metabolite binden an intrazelluläre Androgenrezeptoren. Nach Aktivierung wandert der Rezeptor-Komplex in den Zellkern, bindet an Androgen Response Elements (ARE) und moduliert die Transkription anaboler Gene (z. B. für Proteinaufbau, Aminosäuretransport).
- Resultat: gesteigerte Proteinsynthese, Stickstoffretention, Muskelhypertrophie.
-
Metabolisierung:
- Nandrolon wird in Zielgeweben reduziert und metabolisiert; einer der relevanten Metaboliten ist Dihydronandrolon (5α-Dihydro-Nandrolon), das eine geringere Aktivität aufweist als DHT bei Testosteron. Aufgrund der 19-Nor-Struktur sind Metabolite und Bindungsinteraktionen von Testosteron abweichend.
- Partielle Aromatisierung zu 19-nor-Estradiol kann östrogene Effekte verursachen, jedoch meist schwächer als bei Testosteron.
-
Progestogene Aktivität:
- Nandrolon besitzt Affinität zum Progesteronrezeptor und kann progestogene Wirkungen zeigen. Dies trägt zu bestimmten Nebenwirkungen (z. B. Gynäkomastie über synergistische Effekte mit Östrogen) sowie zu einer stärkeren Suppression der Hypothalamus–Hypophysen–Gonaden-Achse (HHG-Achse) bei.
-
Endokrine Effekte:
- Feedback-Suppression: Exogene AAS unterdrücken die endogene Testosteronproduktion durch negativen Rückkopplungsmechanismus auf Hypothalamus und Hypophyse, was zu verringerter LH/FSH-Sekretion und Spermatogenesestörungen führen kann.
Medizinische Informationen
Historisch und in bestimmten Ländern wurde Nandrolon therapeutisch eingesetzt. Moderne klinische Indikationen sind eingeschränkt und teils durch sicherere Alternativen ersetzt worden.
Therapeutische Indikationen (historisch/selektiv):
- Renale Anämie (vor Erythropoetin-Therapie häufiger)
- Osteoporose (steigende Knochenmineraldichte)
- Kachexie und Gewichtsverlust bei chronischen Erkrankungen (z. B. HIV/AIDS)
- Erkrankungen mit Katabolismus oder Muskelverlust (teilweise off-label)
- Hypogonadismus (seltener; Testosteron ist Standard)
Pharmakokinetik (Decanoat-Ester):
- Applikation: intramuskuläre Depotinjektion (öliges Lösungsmittel)
- Depotfreisetzung: langsame Freisetzung des Esters und anschließende Hydrolyse zum aktiven Molekül
- Wirkdauer: Wochen bis Monate je nach Dosierung und individuellem Metabolismus; typische Dosen in therapeutischen Kontexten deutlich niedriger als Dosen, die im Missbrauch verwendet werden
Dosierung (klinisch, orientierend):
- Therapeutische Dosen sind indikationsabhängig und signifikant niedriger als Dosen, die im Bodybuilding/Missbrauch vorkommen. Konkrete Dosisangaben sollten ausschließlich aus medizinischen Leitlinien/Produktinformationen entnommen werden.
Überwachung und Vorsichtsmaßnahmen:
- Vor Therapiebeginn: kardiovaskuläre Risikofaktoren, Leberfunktion, Prostatastatus (bei älteren Männern), Lipidprofil, Blutbild
- Regelmäßige Kontrollen: Lipide, Leberenzyme (auch wenn hepatotoxischkeit bei unalkylierter Form geringer), Hämatokrit, PSA bei Männern, Blutdruck, psychiatrischer Status
Sport und Dopingsubstanzen:
- Nandrolon ist eine der häufig missbrauchten Verbindungen im Sport, da es Muskelmasse und Kraft steigern kann.
- Es ist von WADA verboten; positive Dopingtests werden häufig auf Nandrolon-Metaboliten wie 19-norandrosteron zurückgeführt.
Sicherheitsprofil
Nandrolon weist ein Nebenwirkungsprofil, das sowohl androgene, anabole als auch systemische Effekte umfasst. Viele Nebenwirkungen sind dosis- und durationsabhängig. Die Progestagenwirkung trägt zusätzlich zu unerwünschten Effekten bei.
Wichtige Nebenwirkungen:
-
Endokrine/Reproduktive:
- Unterdrückung der endogenen Testosteronproduktion (Hypogonadismus), Testikuläre Atrophie, verminderte Spermatogenese bis zur Infertilität (teilweise reversibel nach Absetzen)
- Bei Frauen: Virilisierung (Stimmvertiefung, Hirsutismus, Klitorishypertrophie, Menstruationsstörungen), oft irreversibel bei längerer Exposition
-
Kardiovaskulär/Metabolisch:
- Ungünstige Veränderungen des Lipidprofils (Abfall von HDL, Anstieg LDL), erhöhtes arteriosklerotisches Risiko
- Erhöhter Blutdruck, Ödeme (flüssigkeitsretention)
- Potenziell erhöhtes Risiko für kardiomyopathische Veränderungen bei langfristigem Missbrauch
-
Leber:
- Nandrolon-Decanoat ist nicht 17α-alkyliert; daher ist die direkte hepatotoxizität geringer als bei oral wirkenden 17α-alkylierten Steroiden. Dennoch können bei missbräuchlicher Kombination mit anderen Substanzen hepatische Nebenwirkungen auftreten.
-
Endokrine Wechselwirkungen:
- Gynäkomastie kann auftreten—trotz geringerer Aromatisierung als Testosteron—bedingt durch progestogene Effekte und Östrogenspiegel. In einigen Fällen hilft Aromatasehemmung oder Antiestrogentherapie.
-
Psychiatrisch/Neuropsychiatrisch:
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Aggressivität, Depression (insbesondere nach Absetzen), gelegentlich aggressives Verhalten („Roid rage“), Angstzustände
-
Sonstige:
- Akne, Haarausfall (androgenetische Alopezie bei genetischer Prädisposition), Muskel- und Sehnenverletzungen (bei abruptem Leistungsanstieg/Überbelastung)
Kontraindikationen:
- Prostata- oder Brustkrebs (bei Männern bzw. bekannten hormonabhängigen Tumoren)
- Schwere Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen (relative bzw. absolute Kontraindikationen abhängig vom Zustand)
- Schwangerschaft und Stillzeit (teratogenes Potenzial, Virilisierung des Fötus)
- Vorsicht bei bestehenden kardiovaskulären Risiken oder schweren Hyperlipidämien
Wechselwirkungen:
- Kombination mit anderen AAS oder Stimulanzien kann Risiken additiv verschlechtern.
- Antikoagulanzien: AAS können Gerinnungsparameter beeinflussen; Dosisanpassung und Monitoring empfohlen.
- CYP-interagierende Substanzen: Metabolisierung kann durch andere Medikamente beeinflusst werden; Produktinformation beachten.
Sucht- und Missbrauchspotenzial:
- Psychologische Abhängigkeit möglich; Athleten und Bodybuilder verwenden oft höhere Dosen und kombinieren Substanzen („Stacking“), was Risiken erhöht.
- Entzugssymptome: depressive Verstimmungen, Müdigkeit, Libidoverlust nach Absetzen.
Praktische Hinweise zur Schadensminderung (für Gesundheitsfachkräfte):
- Aufklärung über Risiken, Dosisbegrenzung, sorgfältiges Monitoring
- Screening auf kardiovaskuläre Erkrankungen und psychische Probleme
- Unterstützung bei Absetzversuchen, ggf. endokrinologische Rehabilitation (z. B. gesteuerte Wiederherstellung der HHG-Achse)
Rechtsstatus
Der rechtliche Status von Nandrolon variiert je nach Land, ist jedoch in vielen Staaten streng reguliert:
- Deutschland:
- Nandrolon und seine Ester sind verschreibungspflichtige Arzneimittel. Zudem fallen sie unter das Betäubungsmittel- bzw. Arzneimittelgesetz insofern eine missbräuchliche Verwendung oder Handel ohne Rezept vorliegt; sie sind kontrollierte Substanzen, deren nichtmedizinischer Besitz/Verkauf strafbar sein kann.
- Europäische Union / USA:
- In den USA ist Nandrolon als kontrollierte Substanz der Schedule III unter dem Controlled Substances Act eingestuft; medizinische Verschreibung möglich, nichtmedizinischer Besitz/Vertrieb ist illegal.
- In vielen EU-Ländern ähnliche Regularien: verschreibungspflichtig, reguliert im Sinne pharmakologischer Kontrolle.
- Sportrecht:
- Nandrolon sowie seine Metaboliten stehen auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA). Gebrauch im Wettkampfsport ist verboten; Nachweis kann zu Disqualifizierungen, Sperren und Sanktionen führen.
- International:
- Abgabe, Handel und Herstellung unterliegen zoll- und strafrechtlichen Regelungen in vielen Staaten; Online-Bestellungen ohne Rezept bergen rechtliche und gesundheitliche Risiken.
Zusätzliches zur Rechtslage:
- Produktfälschungen und Schwarzmarktwaren sind verbreitet; diese bergen zusätzliche Risiken (Verunreinigungen, unklare Dosierungen).
- Medizinische Nutzung erfordert ärztliche Indikation, Aufklärung und engmaschige Kontrolle.
Schlussbemerkung
Nandrolon (Deca-Durabolin / Nandrolon-Decanoat) ist ein wirksames anaboles Steroid mit spezifischen pharmakologischen Eigenschaften, die es in bestimmten medizinischen Kontexten nützlich machen können. Gleichzeitig ist sein Sicherheitsprofil bei langfristiger oder hochdosierter Anwendung problematisch, insbesondere hinsichtlich kardiovaskulärer, endokriner und psychischer Nebenwirkungen. Wegen des Missbrauchspotenzials im Sport und der gesetzlichen Regelungen ist der nichtmedizinische Einsatz riskant und häufig illegal. Medizinische Anwendung sollte nur unter ärztlicher Aufsicht, mit klarer Indikation und regelmäßigem Monitoring erfolgen.
science Chemische Eigenschaften
2D-Struktur
CAS Number
tag360-70-3
PubChem ID
scienceMolekularformel
scienceC28H44O3
Molare Masse
science428.7 g/mol
Halbwertszeit
science15 Tage
Anabol/Androgen Verhältnis
science125:37
CAS Nummer
science360-70-3
PubChem ID
science441409
bolt Wirkmechanismus
Nandrolon Decanoat ist ein 19-Nortestosteron-Steroid. Es ist stark anabol mit mäßigen androgenen Eigenschaften und bekannt für Gelenklinderung durch Kollagensynthese.
- Gelenklinderung: Erhöht Gelenkflüssigkeit und Kollagen.
- Masseaufbau: Klassisches Mittel für Off-Season-Masse.
Prolaktin
Cabergolin bereithalten, falls empfindlich.
medication Dosierungsprotokoll
| Erfahrungsstufe | Tagesdosis | Zyklusdauer |
|---|---|---|
| Anfänger | 200-300 mg | 10-12 Wochen |
| Fortgeschr. | 400-600 mg | 12-16 Wochen |
| Profi | 600 mg+ | 16 Wochen |
* Immer mit einer Testosteron-Basis verwenden, um Dysfunktion zu vermeiden.
security Sicherheitsprofil
warning Häufige Nebenwirkungen
-
science
Progesteron
Kann Prolactin-Werte erhöhen.
-
water_drop
Wassereinlagerung
Mäßige Wassereinlagerung möglich.
dangerous Schwere/Seltene Nebenwirkungen
-
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Deca Dick
Erektile Dysfunktion ohne Test-Basis.
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Haftungsausschluss: Dieser Inhalt dient nur zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine medizinische Beratung dar.